Strategie gegen die zunehmende Trockenheit im Weinberg

Strategie gegen die zunehmende Trockenheit im Weinberg

von Armin Gemmrich

Dem Klimawandel mit seiner globalen Temperaturerhöhung verdanken wir in Deutschland Verhältnisse wie im Mittelmeerraum, was dem Weinbau zugutekommt. Die Weinqualität war nie so gut wie in den letzten 10 Jahren. Allerdings haben die letzten Jahre auch gezeigt, dass bei zunehmenden Temperaturen die Bodenfeuchtigkeit an die Grenzen gerät.  Da davon auszugehen ist, dass die Erderwärmung nur langfristig zu stoppen ist, wenn es überhaupt gelingt, so müssen heute Strategien entwickelt werden, die trotz extremer Trockenheit in den Sommermonaten den Ertrag und die Qualität für einen nachhaltigen Weinbau ermöglichen. Drei Ansatzpunkte sind denkbar: Bewässerung, Begrünung und neue Rebsorten.

Bewässerung Die Tröpfchenbewässerung ist die beste Wahl, um die negativen Folgen der Trockenheit zu vermeiden. Doch fehlt es meistens an der Infrastruktur und vor allem am Wasser.

Bodenbedeckung durch Begrünung Die Begrünung wird oftmals als Konkurrenz zur Rebe angesehen. Sie hat aber viele positive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Die Aufnahme vom Regen wird erleichtert, insbesondere bei Starkregen. In Hanglagen verzögert eine Begrünung den Abfluss ins Tal. Ein begrünter Boden verdunstet weit weniger Wasser als ein offener Boden. Darüber hinaus bildet eine Begrünung die Grundlage für ein stabiles und langfristiges Ökosystem im Weinberg. In Bezug zum Klimawandel und zunehmender Dürre stellt eine artenreiche Dauerbegrünung die beste Hilfe für unsern Weinbau dar.

Trockenresistente Rebsorten Die Rebe ist eine wärmeliebende Pflanze. Auf der Nordhalbkugel unserer Erde sind zwischen dem 30. und 50. Breitengrad und auf der Südhalbkugel zwischen dem 40. Und 50. Breitengrad optimale Bedingungen für die Pflanze und damit auch für den Weinbau. Deutschland liegt also an der nördlichen Grenze. Durch den Klimawandel verschiebt sich diese Grenze weiter nach Norden. Weinbau in England und Skandinavien breitet sich immer weiter aus. Die Veränderungen belegt der sogenannte Huglin-Index.  Dieser erfasst die Temperaturen über der Schwelle von 10 Grad und summiert diese von April bis September zu einem Wärmeindex. Hohe Werte zeigen günstige Bedingungen für wärmeliebende Rebsorten an. Das bedeutet, dass in Deutschland zunehmend die mediterranen Rebsorten wie Chardonay, Sauvignon blanc, Merlot und Cabernet franc die einheimischen Sorten Müller-Thurgau, Trollinger und Riesling ersetzen werden. Der Huglin-Index bezieht sich allerdings nur auf die thermischen Werte und nicht auf die Wasserverfügbarkeit. Daher sollte bei Neupflanzungen besonders auf trockenresistente Unterlagsreben geachtet werden. Hier ist eine Auswahl schwierig, weil einerseits noch wenig Erfahrungen mit trockenresistenten Unterlagssorten in Deutschland vorliegen und das Angebot noch erweitert werden kann. Eine Entscheidungshilfe kann die beiliegende Liste sein.

Empfehlungen sind schwierig, da außer der Toleranz gegenüber Trockenheit auch die Bodenart und die Lage eine entscheidende Rolle spielen.

Ein zukunftsfähiger Weinbau in Deutschland wird durch den Anbau von neuen Rebsorten auch bei zunehmenden Temperaturen und Trockenheit weiterhin möglich sein. Eine artenreiche Begrünung mindert den Schaden.

Download Liste trockenresistente Unterlagen

Einteilung verschiedener Rebsorten hinsichtlich ihres Wärmebedarfs nach dem Huglin-Index


(Pisa für Norditalien, Alghero auf Sardinien, Eisenstadt im Burgenland in Österreich, Geisenheim in der Pfalz und Potsdam für Norddeutschland)

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