All posts by A. Gemmrich

20. Juli 2022

Workshop 2022  >>FairChoice® – zertifiziert nachhaltiger Wein<<

Der nächste Teilnahme am Runden Tisch für Nachhaltigen Wein für Unternehmen, die FairChoice zertifiziert sind oder eine Zertifizierung angemeldet haben, findet am 20. Juli in Gundersheim im Weingut Wohlgemuth-Schnürr statt.

Im gemeinsamen Austausch werden die Aktualisierungen besprochen, Ideen diskutiert sowie Probleme und Wünsche einer Lösung zugeführt. Der Runde Tisch ist Teil des Zertifizierungsprozesses nach FairChoice. Der Workshop wird vom DINE-Team und dem Weingut Wohlgemuth-Schnürr veranstaltet.

20. Mai 2022

Bereits am 4. Mai war die rote Linie überschritten, der EARTH OVERSHOOT DAY für Deutschland war erreicht, so früh wie nie zuvor. Das bedeutet, dass wir mehr natürliche Ressourcen verbrauchen, als bis Ende des Jahres nachwachsen können. Wir haben unser Ökokonto überzogen.

Was dies bedeutet und wie wir dagegen vorgehen können, das wird am 20. Mai beim 11. Ethiktag an der Hochschule Heilbronn besprochen: >> Letzte Ausfahrt Folgenlosigkeit?<<

Alle Infos finden Sie hier.

Studierende, Schüler*innen und Bürger*innen sowie Hochschulbedienstete sind ganz herzlich eingeladen an der Tagung teilzunehmen.

11.-13. April 2022

DWV-Kongress: Wandel in der Weinwirtschaft nachhaltig gestalten

Was tut sich in der Weinwirtschaft im Bereich Nachhaltigkeit? Dieser Frage gehen internationale Expert*innen nach und zeigen an vielseitigen Beispielen wie der Wandel möglich wird.

In digitaler Form veranstaltet der Deutsche Weinbauverband (DWV) vom 11.- 13. April 2022 unter der Schirmherrschaft der OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) den 64. Internationalen DWV-Kongress „Wandel in der Weinwirtschaft nachhaltig gestalten“

Das Programm des internationalen Kongresses finden Sie hier.

Tickets sind erhältlich unter www.dwv-kongress.de.

12.März 2022

Klimawandel im Weinberg

Edler Tropfen. Der Wein von morgen.

Um 17:35 Uhr geht es im ZDF in der Sendung plan b um den Klimawandel im Weinberg.

Dr. Helena Ponstein vom DINE erklärt die Zusammenhänge, stellt Lösungen vor und weist auf die Bedeutung für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Weinbau hin.

in der Mediathek bis 6. März 2024

2. April 2022

Vinocamp 2022 am Sa 2. April 2022 in Ingelheim

Winzer, Endverbraucher und Gastronomen treffen sich dieses Jahr wieder in Ingelheim beim VINOCAMP zum Austausch. Nachhaltiger Wein ist das Thema der Podiumsdiskussion am Samstag. Auf dem Podium: Martin Darting, Gründer des Verkostungssystems PAR, nach dem u.a. beim Internationalen Bio- und PIWI-Weinpreis verkostet wird. Prof. Dr. Armin Gemmrich vom Deutschen Institut für Nachhaltige Entwicklung, das das Nachhaltigkeitssiegel „FairChoice“ für die Weinbranche entwickelt hat. Das Weingut Wohlgemuth-Schnürr und Lara Lambrich  beleuchten das Thema aus den Perspektiven eines Weingutes. Es wird noch Sonja Ostermayer von Rheinhessenwein und Hanneke Schönhals von „Zukunftswein e.V.“ dabei sein.

Anmeldung hier https://vinocamp-deutschland.net/2022/01/15/vinocamp-rheinhessen-2022/

09. Februar 2022

69. WÜRTTEMBERGISCHE WEINBAUTAGUNG
ONLINE
Mittwoch, 09. Februar 2022

Der Vormittag widmet sich dem Thema Weinbau – natürlich nachhaltig?

Dr. Helena Ponstein wird erläutern wie nachhaltiger Weinbau zum Klimaschutz beitragen kann. Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Wein im 21. Jahrhundert

Pressemitteilung Nachhaltigkeit Klimaschutz 69. Württembergische Weinbautagung Helena Ponstein

Die Anmeldung zur Onlineveranstaltung erfolgt über die Internetseite des Regierungspräsidiums Stuttgart (www.rp-stuttgart.de > Abteilung 3 >oder > Aktuelle Meldungen).https://rp.badenwuerttemberg.de/rps/presse/artikel/69-wuerttembergische-weinbautagung-online-am-09022022/

Trend zeigt nach oben, wie lange kann das gut gehen?

Trend zeigt nach oben, wie lange kann das gut gehen.

Von Armin Gemmrich

Der Trend der Durchschnittstemperaturen seit 1881 zeigt laut dem Deutschen Wetterdienst im Jahresdurchschnitt einen Anstieg von 1,5 Grad, im Frühling von 1,6 Grad bis heute.

Deutlich wird dies an der aktiven Natur. Einige Zugvogelarten sind bereits zurückgekehrt. Die in Deutschland über Winter anwesenden Vögel sind bereits in balzender Frühlingsstimmung. Sehr deutlich wird die Wirkung der ungewöhnlich warmen Tage seit Beginn des Jahres 2020 bei Pflanzen. So blüht der Acker-Gelbstern dieses Jahr bereits 4 Wochen früher als 2013. Und das Jahr 2013 war auch deutlich wärmer als die Jahre zuvor. Die Natur erwacht früher aus ihrer Winterruhe. Für uns Menschen eine angenehme Erfahrung. Wenn da nicht die Angst wäre, dass ein später Frost wieder alles zerstören könnte. Im Grunde genommen profitieren wir in Deutschland und Mitteleuropa von den mediterranen Klimaverhältnissen. Weniger verbrauchte Heizenergie mindert den Ausstoß von klimaschädigen Treibhausgasen. Weniger Winterkleidung schont die Haushaltskasse. Die seit Jahren hohe Weinqualität der deutschen Weine erfreut die Genießer. Wo liegt der Nachteil und wo sind die Grenzen.

Im Pariser Klimaschutzabkommen einigten sich vor 5 Jahren 195 Nationen auf ein langfristiges Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen und das Ziel, den Anstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, da dies die Risiken und Folgen des Klimawandels deutlich vermindern würde. Die EU will neuerdings im sogenannten „green deal“ wirtschaftliche Anreize schaffen, damit das Ziel, bis 2050 Klimaneutralität umzusetzen, wahrscheinlicher wird. Aktualisiert werden die Klimaziele der EU. Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 dann um 50 bis 55 Prozent (statt der bisherigen 40 Prozent) reduziert werden.

Die Erderwärmung darf die 2 Grad nicht überschreiten, sonst besteht die Gefahr, dass es zu Kettenreaktionen kommt. Wissenschaftler und Klimatologen sprechen vom Kipppunkt. Gefährliche Kettenreaktionen können dann zu einer heißen Phase auf unserm Planeten führen mit verheerenden Folgen. Damit es dazu nicht kommt, muss jeder sofort aktiv werden und klimaschonend leben. Sonst verlieren wir die Vorteile der mediterranen Verhältnisse und steuern in die Katastrophe.

Wir wollen den Acker-Gelbstern auch in Zukunft in unsern Weinbergen strahlen sehen.

Der seltene Acker-Gelbstern (Gagea villosa) ist eine kleine, ausdauernde Zwiebelpflanze, die zwischen März und Mai an Wegrändern, auf Äckern und Grasland und in den Weinbergen ihre strahlenden goldgelben Blüten zeigt. Sie ist wärmeliebend und zählt zu den gefährdeten alten Wildpflanzen.

Strategie gegen die zunehmende Trockenheit im Weinberg

Strategie gegen die zunehmende Trockenheit im Weinberg

von Armin Gemmrich

Dem Klimawandel mit seiner globalen Temperaturerhöhung verdanken wir in Deutschland Verhältnisse wie im Mittelmeerraum, was dem Weinbau zugutekommt. Die Weinqualität war nie so gut wie in den letzten 10 Jahren. Allerdings haben die letzten Jahre auch gezeigt, dass bei zunehmenden Temperaturen die Bodenfeuchtigkeit an die Grenzen gerät.  Da davon auszugehen ist, dass die Erderwärmung nur langfristig zu stoppen ist, wenn es überhaupt gelingt, so müssen heute Strategien entwickelt werden, die trotz extremer Trockenheit in den Sommermonaten den Ertrag und die Qualität für einen nachhaltigen Weinbau ermöglichen. Drei Ansatzpunkte sind denkbar: Bewässerung, Begrünung und neue Rebsorten.

Bewässerung Die Tröpfchenbewässerung ist die beste Wahl, um die negativen Folgen der Trockenheit zu vermeiden. Doch fehlt es meistens an der Infrastruktur und vor allem am Wasser.

Bodenbedeckung durch Begrünung Die Begrünung wird oftmals als Konkurrenz zur Rebe angesehen. Sie hat aber viele positive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Die Aufnahme vom Regen wird erleichtert, insbesondere bei Starkregen. In Hanglagen verzögert eine Begrünung den Abfluss ins Tal. Ein begrünter Boden verdunstet weit weniger Wasser als ein offener Boden. Darüber hinaus bildet eine Begrünung die Grundlage für ein stabiles und langfristiges Ökosystem im Weinberg. In Bezug zum Klimawandel und zunehmender Dürre stellt eine artenreiche Dauerbegrünung die beste Hilfe für unsern Weinbau dar.

Trockenresistente Rebsorten Die Rebe ist eine wärmeliebende Pflanze. Auf der Nordhalbkugel unserer Erde sind zwischen dem 30. und 50. Breitengrad und auf der Südhalbkugel zwischen dem 40. Und 50. Breitengrad optimale Bedingungen für die Pflanze und damit auch für den Weinbau. Deutschland liegt also an der nördlichen Grenze. Durch den Klimawandel verschiebt sich diese Grenze weiter nach Norden. Weinbau in England und Skandinavien breitet sich immer weiter aus. Die Veränderungen belegt der sogenannte Huglin-Index.  Dieser erfasst die Temperaturen über der Schwelle von 10 Grad und summiert diese von April bis September zu einem Wärmeindex. Hohe Werte zeigen günstige Bedingungen für wärmeliebende Rebsorten an. Das bedeutet, dass in Deutschland zunehmend die mediterranen Rebsorten wie Chardonay, Sauvignon blanc, Merlot und Cabernet franc die einheimischen Sorten Müller-Thurgau, Trollinger und Riesling ersetzen werden. Der Huglin-Index bezieht sich allerdings nur auf die thermischen Werte und nicht auf die Wasserverfügbarkeit. Daher sollte bei Neupflanzungen besonders auf trockenresistente Unterlagsreben geachtet werden. Hier ist eine Auswahl schwierig, weil einerseits noch wenig Erfahrungen mit trockenresistenten Unterlagssorten in Deutschland vorliegen und das Angebot noch erweitert werden kann. Eine Entscheidungshilfe kann die beiliegende Liste sein.

Empfehlungen sind schwierig, da außer der Toleranz gegenüber Trockenheit auch die Bodenart und die Lage eine entscheidende Rolle spielen.

Ein zukunftsfähiger Weinbau in Deutschland wird durch den Anbau von neuen Rebsorten auch bei zunehmenden Temperaturen und Trockenheit weiterhin möglich sein. Eine artenreiche Begrünung mindert den Schaden.

Download Liste trockenresistente Unterlagen

Einteilung verschiedener Rebsorten hinsichtlich ihres Wärmebedarfs nach dem Huglin-Index


(Pisa für Norditalien, Alghero auf Sardinien, Eisenstadt im Burgenland in Österreich, Geisenheim in der Pfalz und Potsdam für Norddeutschland)

Nachhaltiger Wein – Verantwortung im Glas

Nachhaltiger Wein – Verantwortung im Glas

von Jana Alpaslan

Nachhaltig. Wir lesen und hören dieses Wort mittlerweile fast täglich, in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Und nun also auch nachhaltiger Wein? In diesem Blogpost erläutern wir, was nachhaltiger Wein ist und wie er sich zu konventionell produziertem Wein unterscheidet.

Nachhaltig ist kein geschützter Begriff, nur, weil also nachhaltig auf dem Etikett steht, ist nicht unbedingt nachhaltiger Wein in der Flasche. Deswegen sollten Verbraucher*innen umso aufmerksamer sein und Werbeversprechen stets hinterfragen.

Nachhaltig bedeutet, dass alle drei Dimensionen, also Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichwertig betrachtet werden. Beim nachhaltigen Weinanbau wird zunächst auf eine ökologisch einwandfreie Anbauweise geachtet. Orientierung bietet hier die Biolandwirtschaft, beispielsweise zertifiziert durch Bioland, Demeter, das EU-Bio-Siegel, Naturland, Biodyvin und Ecovin (Alnatura, 2020). Hierbei dürfen geringe Mengen an Schwefel und Kupfer eingesetzt werden. Umweltschädliche chemische Pflanzenschutzmittel sind grundsätzlich verboten. Das hat mehrere Vorteile gegenüber konventionellem Wein: zum einen gelangen die Stoffe nicht an Pflanzen, in den Boden, das Grundwasser und zerstören Kleinstlebewesen, die wichtig für die Biodiversität sind. Ebenso bedeutet der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel auch, dass Menschen nicht mit schädlichen Stoffen in Verbindung kommen – was uns zur sozialen Dimension bringt.

Ein nachgewiesen nachhaltig produzierter Wein wird sozial gerecht hergestellt. Das bedeutet, dass die Arbeitskräfte, die an der Produktion beteiligt sind, fair entlohnt werden. Ebenso engagiert sich das Unternehmen in der Gesellschaft und bietet seinen Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Schlussendlich muss ein nachhaltiger Wein auch ökonomisch tragfähig produziert werden. Ein Unternehmen wirtschaftet nur dann nachhaltig, wenn es stabil, liquide und rentabel wirtschaftet. Bei der Produktion von geprüft nachhaltigem Wein ist ein Managementsystem vorhanden, welches Schwachstellen frühzeitig aufdeckt. Dies wiederum führt zur Kostenersparnis. Auch das trägt dazu bei, dass das Unternehmen nachhaltig wirtschaftet.

Bei der Frage nach nachhaltigem Wein, der auch tatsächlich so produziert wurde und nicht nur mit Werbeversprechen lockt, helfen Zertifikate und Siegel. Auch hier sollten Konsument*innen aufmerksam sein und genau hinsehen – welche Voraussetzungen schreibt das Zertifikat vor? Durch wen wird es vergeben und wie werden die Voraussetzungen überprüft? Ein Beispiel für ein verlässliches Siegel ist FairChoice. Das erste Nachhaltigkeitssiegel für Wein in Deutschland ist wissenschaftlich fundiert und wurde in der Praxis erprobt und getestet. Konsument*innen erhalten Transparenz.

Bei der nachhaltigen Weinproduktion wird das große Ganze betrachtet. Es geht nicht nur darum, einen wohlschmeckenden, qualitativ hochwertigen Wein herzustellen. Vielmehr wird bei der Produktion von nachhaltigem Wein auf deren Auswirkungen auf den Status quo und vor Allem auf nachfolgende Generationen geachtet. Die Nachfrage nach nachhaltigen Lebensmitteln steigt langsam, aber kontinuierlich an (Nachhaltiger Warenkorb, 2020). Winzer*innen die jetzt schon nachhaltigen Wein produzieren bzw. ihre Produktion auf Nachhaltigkeit umstellen, können die wachsende Nachfrage daher von Beginn an bedienen. Das bedeutet nicht nur ökonomischen Gewinn, sondern gleichzeitig etwas für die Umwelt und nachfolgende Generationen zu tun – für eine Zukunft, von der alle etwas haben.

Quellennachweise: Alnatura (2020). Was ist Biowein?, abgerufen am 13.02.2020,  https://www.alnatura.de/de-de/kochen-und-geniessen/rund-um-den-wein/kleine-weinschule/was-ist-bio-wein.
Nachhaltiger Warenkorb (2020). So gelingt nachhaltiger Konsum, abgerufen am 14.02.2020, https://www.nachhaltiger-warenkorb.de/nachhaltiger-konsum/so-gelingt-nachhaltiger-konsum/

Klimawandel, was tut die Weinbranche dagegen?

Was kann die Weinbranche gegen den Klimawandel tun?

Wir alle wissen es: die Weinbranche ist besonders vom Klimawandel betroffen. Die Verbraucher*innen freuen sich über die immer bessere Qualität der deutschen Weine und über das zunehmende Angebot an internationalen Sorten. So wie die anpassungsfähigen Sorten Merlot, Syrah und Chardonnay aus regionaler Produktion. Auf der anderen Seite sind die Weine immer alkohollastiger. 14 Prozent Alkohol sind heute Standard und Weine mit einem Alkoholgehalt unter 12 Prozent sind immer seltener zu finden. Der höhere Zuckergehalt der Weintrauben hat einen höheren Alkoholwert zufolge.

Für die deutschen Winzer*innen hat der Klimawandel derzeit Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen zählen die bessere Qualität der Weintrauben, die Erweiterung des Sortenspektrums und die Chance für noch mehr Innovation. Doch dem gegenüber stehen gewaltige Nachteile. Die wärmeren Tage verändern die Entwicklung der Reben und damit steigt die Gefahr der Schäden durch Spätfrost. Die Bildung von Inhaltsstoffen der Weintraube sind temperaturabhängig, was am Beispiel des Säure- und Zuckergehaltes deutlich wird. Der gewohnte Charakter der Weine verändert sich. Der Riesling schmeckt anders als vor zehn Jahren. Continue reading